Hicke bye bye!

Veröffentlicht in Fußball, Uncategorized mit Tags , , am Juni 30, 2008 von sinnbild

Josef Hickersberger ist seit voriger Woche Geschichte als Trainer des österreichischen Fußballnationalteams. Diesmal darf man hoffen und auch annehmen, dass es für immer so bleibt. Und nein, man soll ihm keine Tränen nachweinen, denn die Bilanz seines Wirkens der letzten drei Jahre ist derart bitter, dass es einen ohnehin wundert, wie Präsident Stickler und österreichische Medien um seinen Weiterverbleib buhlen konnten. Dennoch beschwerte sich der gute Mann rückblickend nochmals über mangelnde Unterstützung und zu wenig Kredt und die ein oder andere kritische Gegenstimme aus den Vereinen. Hickersberger wußte in den drei Jahren das Glück nie zu schätzen, unter ÖFB-Präsident Stickler und mit der heimischen Medienlandschaft österreichischer Fußballteamchef sein zu dürfen. 5 Siege, 13 Niederlagen und 9 Remis, nur 24 von 81 möglichen Punkten erreicht, zwölfmal kein Tor erzielt, jedes Jahr eine schwächere Bilanz als im Jahr zuvor und zum Abschluß auch noch schlechtester EM-Gastgeber aller Zeiten – in keinem Land der Welt wäre die Kritik am Teamchef und Mannschaft derart sanft ausgefallen wie bei uns, nirgendwo hätte ein Trainer ein Jahr vor der Heim-EM Leistungen wie gegen Japan überlebt und wo findet man schon so ein anspruchsloses Fußballvölkchen wie die Österreicher, die den heimischen Euro-Verlauf dann sogar als Erfolg werten. Aber statt Dankbarkeit über die mediale und verbandsseitige Sänfte der letzten Jahre zu zeigen, hackt Hickersberger noch einmal in Richtung der wenigen Gegenspositionen seines wahnwitzigen Verjüngungs- und Schwachredensdogmas hin. Das hat genausowenig Klasse wie die gegenüber Stickler zugesagte Vertragsverlängerung wieder zurückzuziehen. Spät aber doch mag der ÖFB-Präsident erkennen, dass er die letzten drei Jahre wahrscheinlich auf den falschen Mann gesetzt hat. Die notwendige Verjüngung wäre auch ohne Hickersberger erfolgt, nur eben mit mehr Rücksicht auf die Qualität des Kaders. Hickersberger berief fast nur noch nach Geburtsdatum ein, sein vielkritisierter Vorgänger Krankl baute ebenso junge Spieler ein, ohne jedoch auf routiniertes Können und Erfahrung zu verzichten. Seine Bilanz mag nicht jeden vor Begeisterung vom Sessel haben, würdevoller und um Welten besser als Hickersbergers ist sie auf jeden Fall. Und keine Spur von einem überalterten Team. Jedes Team braucht Spieler aller Altersschichten in seinen Reihen und gerade Österreich darf mit seiner dünnen Spielerdecke nicht freiwillig auf die ein oder andere ältere Ergänzung und Verstärkung verzichten. Das Team hat für dieses fahrlässige Handeln des Teamchefs in den Spielen gegen Kroatien und Polen bezahlt, als fehlende Ruhe vor dem Tor, fehlende Antreiber im Mittelfeld und fehlende Dirigenten im Abwehrbereich durchaus vorhandene Chancen für die heimische Elf zunichte machten. Für Österreich wäre bei dieser EM  mehr zu erreichen gewesen, eine falsche Idee und ein falsches Konzept haben schon vor dem ersten Spiel nur noch Raum für Überraschungen und Sensationen gelassen. Und das ist auch Hickersbergers größte Schuld: in seiner Amtszeit wurde jeder Gegner stark- und das eigene Team aus Verjüngungs- und Umbaugründen schwach geredet. Irgendwann haben dann weder Öffentlichkeit noch Spieler irgend etwas außer Überraschungen von diesem Team erwartet und gewollt. Und wer keine Ansprüche mehr stellt, wird auch keine erfüllt kriegen. Vielleicht ist es die Ironie der Geschichte, dass Hickersberger schlußendlich an der selbst aufgebauten öffentlichen Anspruchslosigkeit gescheitert ist. Zufrieden mit den nichtvorhandenen Ergebnissen bei der Heim-Euro werden von Fans und Medien plötzlich Wunderdinge einer jungen Mannschaft, von der die Hälfte der Spieler über keinen Stammplatz in ihren Vereinen verfügt, erwartet. Hickersberger weiß genau, dass diese Hoffnungen völlig überzogen sind und er auch nicht der Trainer ist, dem viel mehr als ständiges Personalwechseln einfällt. Also weshalb seinen völlig unbegründeten guten Ruf dieser Euro riskieren, wenn er mit einem Rückzug fast nur gewinnen kann? Spielt das Team nach der Euro gleich lau weiter wie davor, bleibt er  trotzdem als Chef einer erfolgreichen Euro in Erinnerung. Spielen sie plötzlich wider Erwarten besser, ist es sein Team und sein Vermächtnis, das diese Erfolge erst ermöglicht haben. Schön, dass Hickersberger auch diesmal wie fast immer ichbezogen denkt, somit eröffnet er dem heimischen Fußball die kleine Chance, durch eine ausnahmsweise intelligente Trainerwahl wieder etwas an Würde und Anstand zurückzugewinnen. Bye bye Hicke, und komm bitte nie mehr wieder zurück!

Euro 2008 – Ende gut, alles gut

Veröffentlicht in Euro 2008 mit Tags , , , am Juni 30, 2008 von sinnbild

Schön, dass es einen verdienten Europameister gibt. Und zwar wirklich einen verdienten. Die einzige Mannschaft im Turnier, die jedes Spiel auf Sieg gespielt hat, die sich nur in ganz wenigen Phasen ihrer Partien freiwillig zurückgezogen hat, die Führungen nicht zu verwalten, sondern auszubauen versucht hat und die einen technisch hochattraktiven und kompletten Fußball demonstriert hat, mit einer jungen Mannschaft, die imstande ist, von der Bank die herausragende Qualität der ersten Elf fast nahtlos zu ersetzen. Ahnlich talentierte Teams wie die Niederlande, Portugal, Russland oder auch Brasilien und Argentinien sollten sich am Beispiel Spanien ein Vorbild nehmen, wie man hohe Qualität nicht verschwendet, sondern richtig verwendet. Dann würde diese Euro in Österreich und der Schweiz einen historischen Wendepunkt in der Geschichte des Fußballs darstellen und ähnlich dem Turnier von 1984 einer dunklen, defensiven und vorsichtigen Periode des Sports eine Ende setzen. Träumen wird man ja noch dürfen.

Das Finale war mit Ausnahme der ersten zehn bis fünfzehn Minuten jeder Halbzeit eine klare Angelegenheit für die Spanier, die eben nur zu Beginn der jeweiligen Spielhälften etwas abwartender als üblich agierten und damit den Deutschen prompt zu der einen oder anderen guten Aktion verhalfen. Mehr als gefährliche Ansätze kamen dabei aber nicht zustande, und die waren auch wieder Geschichte, sobald sich die Spanier wieder um ihr Offensivspiel kümmerten. Dann rannten Ballack und Co wieder dem Gegner und dem Ball hinterher und sich geistig und körperlich müde. Trainer Löw übersah die Ermattung von Schweinsteiger und brachte stattdessen Gomez statt Klose. Schweinsteiger stolperte von Annahmefehler zu Annahmefehler und versteckte sich die letzten zehn Minuten, womit Deutschand eigentlich nur mehr zu neunt agierte, da auch Podolski nach gut siebzig Minuten komplett abgetaucht war. Vielleicht hätte es Löw doch mal mit Trochowski probieren sollen, aber an dem Abend wäre das auch egal gewesen. Spanien musste auf Villa verzichten, dann gingen auch noch Silva, Fabregas und Torres vom Platz und die Deutschen wurden weiter an die Wand gespielt. Allein die Abschlußschwäche der Spanier verhinderte ein Debakel für ein Team, das von der Klasse ohnehin nicht im Finale stehen hätte dürfen. Die leichteste Vorrundengruppe und ein selten dämliches Portugal in Kombination mit der einzig wirklich starken Leistung der deutschen Mannschaft ermöglichten aber den Durchmarsch ins Finale. Damit haben die Deutschen ihre Chancen bei dieser EM mehr als optimal genutzt und sind sicher eines der wenigen Teams neben den Spaniern und den Türken, die mit dem Ablauf dieser Euro wirklich zufrieden sein können. Also kein Grund zum Traurigsein für unsere Nachbarn – nur der Klasseunterschied zu den Spaniern sollte sie etwas ernüchtern.

Die Spanier werden es wohl vom neuen Coach abhängig machen, ob sie eines der dominierenden Teams der nächsten zehn Jahre abgeben oder wieder in ihre bisherige Rolle des unerfüllten Potentials zurückfallen. Beispiele wie England oder die Niederlande sollten Warnung genug sein, diese Suche nicht auf die leichte Schulter zu nehmen oder großen Namen zu unterwerfen, doch mit dem laut Medienberichten schon feststehenden Vicente des Bosque würde der spanische Verband eine ausgezeichnete Wahl treffen, die den offensiven Möglichkeiten dieser jungen Mannschaft voll und ganz gerecht werden dürfte.

Euro 2008 – Vorschau Finale ESP – GER

Veröffentlicht in Euro 2008 mit Tags , , , , am Juni 29, 2008 von sinnbild

Das Finale dieser Euro 2008 ist da und bei mit ist der Dampf draussen. Zu viele Spiele in der Vorrunde, zu viele eher laue Partien in der K.O.-Phase, wie halt bei vielen großen Turnieren – da hat man das Beste dann meistens schon gesehen. Und nun stehen sich eben Spanien und Deutschland im Finale gegenüber, und wahrscheinlich werden’s die Spanier gewinnen. Die haben im Semifinale den Russen gezeigt, dass es allemal besser ist, ein Spiel auf Sieg zu spielen, als mit Abwarten und Taktieren die Zeit fürs eigenen Glück ungenutzt verstreichen zu lassen. Die Spanier waren eben keine Niederländer, die aus mir unerfindlichen Gründen auf jegliches Agieren und Riskieren verzichtet haben. Somit waren die Russen fast das ganze Spiel damit beschäftigt, Gegner und Ball hinterher zu laufen, und das war’s dann auch mit russischer Offensivherrlichkeit und Wundersturm. Die Spanier haben offensiv gedacht und agiert, die Russen gingen wie immer defensiv denkend in das Spiel und wurden in diesem Fall auch zum defensiven Handeln gezwungen. Herrlich. Auf der anderen Seite hatten die Deutschen alle Mühe und Not mit dem letzten Aufgebot, das die Türken zu stellen fähig waren, und es überraschte doch, wie abwartend und zahm die Deutschen gegenüber dem Portugal-Spiel aufgetreten sind. Sie hatten es diesmal aber im Unterschied zu taktierenden Portugiesen mit verzweifelt offensiven Türken zu tun, und schon waren sie wieder da, all die Schwächen im defensiven Bereich der Deutschen. Und hinten beschäftigt verliert das deutsche Spiele eben auch nach vorne an Wirkung und Effektivität. Die Portugiesen sollten sich noch jetzt in den Hintern beißen, wie leicht sie mit einer Siegmentalität und -spielweise ins Semifinale gekommen wären.

Und darum sollten heute die Spanier gewinnen, wenn sie auch ihr sechstes Spiel in diesem Turnier auf Sieg spielen. Die Deutschen haben nur dann eine Chance, wenn den Spaniern plötzlich das Finale Mut und Courage raubt und ihre Spielanlage auf ungewohntes Abwarten und Taktieren umgestellt wird.  Dann werden die Deutschen Zeit und Spieler finden, um (mit oder ohne Ballack) ihre Offensivkräfte besser in Spiel zu bringen und einer spanischen Abwehr, die im Viertel- und Semifinale eher wenig gefordert worden ist, wieder jene Lücken zu zeigen, die schon in den ersten beiden Vorrundenpartien festzustellen waren. Ich glaube aber fest daran, dass es nicht soweit kommen wird und Spanien diesem Turnier der würdigste Meister sein wird.

Euro 2008 – Vorschau Semifinale ESP – RUS

Veröffentlicht in Euro 2008 mit Tags , , , , am Juni 26, 2008 von sinnbild

Das ist das zweite Spiel dieser Europameisterschaft, welches das Potential für eine richtige Hammerpartie in sich trägt. Der erste Versuch in diese Richtung, das Viertelfinal-Duell Niederlande gegen Russland, war zwar von russischer Seite recht ansehlich, litt aber doch an einer orangen Übervorsicht und an Russen, die primär auch die eigene 0 stehen sehen wollten. Angesichts des Möglichen war das Spiel für mich dann eine Enttäuschung, da beide Teams nicht für den Sieg, sondern gegen die Niederlage aufs Feld gelaufen sind. Und das konnten die Russen um Klassen besser als die Niederländer, die völlig deplaziert und durch die eigene Vorsichtstaktik und das russische System aus dem Spiel genommen über den Platz stolperten. Gegen Spanien wird es für die Russen nicht ganz so einfach werden. Die haben gegen extrem defensiv eingestellte Italiener bewiesen, dass sie in der K.O.-Phase zwar auch nicht auf Teufel komm raus zu stürmen bereit sind, aber über 120 Minuten nichts unversucht lassen, aus einer gesicherten Verteidigung den Ball Richtung gegnerischen Strafraum zu tragen. In diesem Prinzip ähnlen sich die Spielsysteme der beiden Semifinalisten, da beide Teams sehr viel Wert auf abgesicherte Defensive, Ballkontrolle im Mittelfeld, viel Kombinationsspiel und überraschenden Tempowechsel im Angriffsbereich legen. Vielleicht verfügen die Spanier über mehr Qualität im Mittelfeld, aber das könnte auch bloß der verführerische Glanz bekannterer Namen sein. Das Niveau der beiden Angriffsduos würde ich in etwa gleich hoch einschätzen, dafür haben die Spanier eventuell einen Vorteil im Defensivbereich, der aber durch den etwas besseren russischen Torhüter wieder ausgeglichen wird. Das Selbstvertrauen sollte auf beiden Seiten gleich hoch sein, die Vorrundenbegegnung kann sowohl für oder gegen einen der beiden sprechen. Ich glaube, beide Teams wissen sehr wohl, dass das doch recht klare 4:1 der ersten Partie in dieser Turnierphase nicht mehr allzuviel Aussagekraft hat. Ich denke, im Endeffekt gewinnt die Mannschaft, die von Beginn weg den Sieg mehr will. Und ich glaube, diesmal ist Spanien dran, auch weil die Russen mit Kolodin einen sehr wichtigen Verteidiger vorgeben müssen. In jedem Fall sieht man aber heute den zukünftigen Europameister am Werk.

Euro 2008 – Vorschau Semifinale GER – TUR

Veröffentlicht in Euro 2008 mit Tags , , , , am Juni 25, 2008 von sinnbild

Kurz und bündig: alles andere als ein Sieg der Deutschen wäre die größte Sensation dieser EM. Wie soll eine Mannschaft, die im Prinzip schon dreimal aus dem Turnier geflogen ist, zum viertenmal den Lauf der Dinge drehen, wenn es einfach hinten und vorne an einsatzfähigen Spielern mangelt. Kann und wird diesmal einfach nicht funktionieren, da auch für Wunder bei drei und Ausfällen wie Volkan Demirel, Tuncay Şanlı, Arda Turan, Emre Aşιk und vor allem Nihat Kahvec Schluß ist. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Deutschen die Chance auf ein Finale und einen eventuellen Titel durch Nachlässigkeiten und Unterschätzen des Gegners nehmen lassen. Dafür war die Mannschaft gegen Portugal zu perfekt vorbereitet und eingestellt, um eine taktisch desorientierte deutsche Mannschaft zu erwarten. Natürlich sehen sich manche deutsche Spieler schon als Europameister, da sie mit Portugal die stärkste Mannschaft dieses Turniers elimiert zu haben glauben, aber den Türken wird es heute abend einfach an der nötigen spielerischen Qualität fehlen, um diese Fehleinschätzungen ausnützen zu können. Für eine offensive Spielweise hat Trainer Terim nicht mehr genug Spieler an Bord und defensiv ausgerichtet sind sie schon gegen Kroatien ins ein oder andere Trudeln geraten. Und gegen Deutsche auf Elferschießen zu spielen, ist auch eine sehr gewagte Angelegenheit. Natürlich würde ich mich über die Topsensation freuen, da ein deutsches Rausplumpsen schon allein wegen der langen Gesichter ihrer nutzlosen TV-Analytiker wünschenswert ist, allein, ich glaube nicht, dass es heute abend passieren wird. Das böse deutsche Erwachen kommt dann eh im Finale.

Euro 2008 – UEFA-Schmankerln

Veröffentlicht in Euro 2008 mit Tags , , am Juni 24, 2008 von sinnbild

Ja, nun sind sie alle wieder frei von Schuld und Sühne, die Spieler mit einer gelben Karte aus Vorrunde und Viertelfinale. Denn die wurden ja nach Beendigung dieser letzten vier eher lauen Spiele samt und sonders gestrichen, da es sich ein Michel Platini mit seiner UEFA auf keinen Fall vorwerfen lassen will, ein EM-Finale durch eventuelle gelbbedingte Sperren von bekannten Spielern um Würde und Ehre zu bringen. Dabei haben die starren Herren von der VIP-Tribüne nichts anderes als genau das getan und dem Fußball ein weiteres Stückchen seiner Sportlichkeit geraubt, denn noch selten wurde derart offen zugegeben, um was es bei Veranstaltungen dieser Art primär geht: nicht mehr um Sport und Fairneß, sondern nur noch um das Event und die Show. Und da darf im Finale eben kein Starspieler fehlen, auch wenn er noch so durch die Gegend tritt, raunzt oder schwalbt. Spieler, die im Viertelfinale ihre zweite gelbe Karte erhalten haben, müssen hingegen im Semifinale pausieren, womit es im Viertelfinale zwei verschiedene Arten von Verwarnungen gibt: jene mit Folgen und jene ohne Folgen. Kommt nur darauf an, wen es gerade trifft, und so dürfen die Türken als Hauptleidtragende dieser bescheuerten Regel eben auf drei zusätzliche Spieler im Semifinaöe gegen Deutschland verzichten. Ich frage mich schon, was sie manche der grauen Herren bei ihren Regelerfindungen denken, denn schlußendlich sollte der Sinn einer Verwarnung und die Sperre nach zwei gelben Karten darin bestehen, die Spieler von übertriebener Unsportlichkeit zurückzuhalten. Mit dem von der UEFA beschlossenen Freibrief sind ab dem Viertelfinale ein, zwei zusätzliche grobe Fouls von bislang unbescholtenen Spielern drinnen. Eigenartig nur, dass sich kaum wer über diesen Schwachsinn aufregt, aber die moderne Eventkultur fordert eben auch immer mehr Opfer.

Ähnlich skurril wie die Streichung der gelben Karten ist ja auch der Aufstiegsmodus bei Punktegleichheit nach der Vorrunde – weil da gibt es nämlich zwei verschiedene. So zu lesen in den Regularien der UEFA-Europameisterschaft:

7.07 Wenn zwei oder mehr Mannschaften nach Abschluss aller Gruppenspiele die
gleiche Anzahl Punkte aufweisen, wird die Platzierung nach folgenden
Kriterien ermittelt:
a) Punktzahl aus den direkten Begegnungen.
b) Tordifferenz aus den direkten Begegnungen.
c) Anzahl erzielter Tore in den direkten Begegnungen (bei mehr als zwei
punktgleichen Mannschaften).
d) Tordifferenz aus allen Gruppenspielen.
e) Anzahl erzielter Tore in allen Gruppenspielen.
f) Koeffizient aus dem Qualifikationswettbewerb für den FIFA-Weltpokal
2006 und für die UEFA-Fussball-Europameisterschaft 2006/2008 (erzielte
Punkte dividiert durch ausgetragene Spiele).
g) Fairplay-Verhalten der betreffenden Mannschaften (Endrunde).
h) Losentscheid.
7.08 Treffen zwei Mannschaften im letzten Gruppenspiel aufeinander, die
dieselbe Anzahl Punkte, die gleiche Tordifferenz und dieselbe Anzahl Tore
aufweisen, und endet das betreffende Spiel unentschieden, wird die
Platzierung der beiden Mannschaften durch Torschüsse von der
Strafstossmarke ermittelt, vorausgesetzt, dass keine anderen Mannschaften
derselben Gruppe nach Abschluss der Gruppenspiele dieselbe Anzahl
Punkte haben. Haben mehr als zwei Mannschaften dieselbe Anzahl Punkte,
gelten die Kriterien a) bis h) von Absatz 7.07.
Also kann es durchaus sein, dass eine Mannschaft, die nach Artikel 7.07. eigentlich den Aufstieg ins Viertelfinale schaffen müsste, nur darum bei einem Elfmeterglücksschießen aus dem Bewerb fliegen könnte, weil sie dem falschen Gegner im letzten Spiel gegenübersteht und sich die UEFA-Riege so eine tolle Eventmöglichkeit natürlich nicht entgehen lassen will und kann. Gute Nacht, UEFA-Euro!

Euro 2008 – Einer kommt durch.

Veröffentlicht in Euro 2008 mit Tags , , , am Juni 23, 2008 von sinnbild

Gut, dass die Viertelfinalphase hiermit vorüber ist. Nach vier mehr oder minder lauen Begegnungen kann es eigentlich nur noch aufwärts gehen, aber das soll kein Versprechen sein. Hätte ja auch niemand geahnt, dass Deutschland – Portugal noch das Beste war, was dieses Viertelfinale zu bieten hatte. Kroatien – Türkei war wohl im Rahmen der Möglichkeiten beider Teams, aber trotzdem nicht gut. Russland – Niederlande enttäuschte trotz vieler Schüsse Richtung Tor, da beide Teams viel mehr zeigen hätten können und auch die überlegenen Russen nicht auf Sieg, sondern absichernd gegen die Niederlage gespielt haben. Und heute abend? Ein Italien, dessen einziger Auftrag war, auf den lucky punch zu warten oder sich eben ins Elfmeterschießen zu retten. Zu mehr waren die Italiener nicht willens oder nicht in der Lage, und wenn zwei Team sich so verweigern, hat man Frankreich – Rumänien. Einfach schrecklich, und zum Glück kannte diesmal das Elfmeterschießen keinen Zufall  sondern Gerechtigkeit und Donadoni schickte den von den spanischen Fans wegen seiner Pseudoverletzung  ausgepfiffenen Di Natale und nicht einen Del Piero zum Elfmeterpunkt. Wahrscheinlich die letzte ungeschickte Amtshandlung des Trainers, denn der italiensiche Verband wird seinen Vertrag wahrscheinlich auflösen. Nach diesem Unspiel der Italiener auch eine empfehlenswerte Vorgensweise. Und die Spanier? Die haben sich zwar auch nicht auf Teufel komm raus nach vorne gehauen, aber im Unterschied zu den Niederländern im gestrigen Spiel doch versucht, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und sich irgendwie durch den italienischen Abwehrwulst Richtung Strafraumgrenze und Gefahrenzone zu nähern. Die optische Überlegenheit führte zwar nur zu ganz wenigen Torchchanchen, aber immerhin war das Bemühen und der Versuch, die Dinge noch zu ändern, da. Hätte der schwache Schiedsrichter Fandel eine der beiden Elfmetersituationen zugunsten der Spanier in Hälfte Eins gepfiffen, hätte dies unter Umständen noch ein erträglicher Abend werden können. So sagen wir ‘Schwamm drüber’ und freuen uns, dass der Bessere für einmal auch der Glücklichere gewesen ist.

Euro 2008 – Vorschau Viertelfinale ESP – ITA

Veröffentlicht in Euro 2008 mit Tags , , , , am Juni 22, 2008 von sinnbild

Das Viertelfinale der letzten Chance auf das erste geile Spiel in der K.O.-Phase dieses Turniers. Nach drei eher flauen Partien treffen heute zwei Mannschafte aufeinander, die für bislang vier sehr unterhaltsame Abende dieser EM verantwortlich waren. Die Spanier zauberten gegen die Russen und überzeugten gegen die Schweden, während Italien in seiner Auftaktpartie gegen die Niederländer zumindest nicht mauerte und gemeinsam mit Rumänien für eines der absoluten Highlights der EURO2008 sorgte. Die Voraussetzungen auf vergnügliche +neunzig Minuten sollten also gegeben sein, wenn nur nicht wieder das berühmte spanische Turnierversagen und die gefürchtete italienische Abwehrtaktik dazwischenkommt. Nun sprechen sicher viele Gründe und eine Menge Erfahrungen dafür, dass auch dieses Spiel keinen irgendwie gearteten positiven Erwartungen gerecht werden wird, für einmal glaube ich jedoch an das Gegenteil und an eine night to remember. Italien hat derzeit keine Defensive, auf die sie sich im Ernstfall bombensicher verlassen kann, und der Verlauf der Vorrunde hat bestätigt, dass die Mannschaft von Donadoni im Vorwärtsgang sicherer und besser aufgehoben ist als im Blick und Handeln zurück. Und im Spiel Spanien-Schweden zeigte sich, dass die spanische Hintermannschaft unter Druck von außen auch in flatterhafte und fehleinschätzende Phasen verfallen kann, und was haben die Italiener gegen die Rumänen nicht alles über die Flanken gezaubert!? Gerade dieses Spiel sollte den Spaniern auch Warnung sein, was passieren kann, wenn sie ihre Gangart auf Absichern und Abwarten ein- oder umschalten. Flugs haben die Schweden das Kommando übernommen und in dieser Phase war dann recht wenig zu sehen von spanischer Herrlichkeit und Dominanz. Aragones wird sich noch daran erinnern, wie kläglich Spanien bei der WM an Frankreich und seiner eigenen Feigheit gescheitert ist, und ich bin mir fast sicher, dass er seine Mannschaft diesmal unverändert in essentiellen Positionen und Ausrichtung aufs Feld schicken wird. Donadoni muss auf Pirlo und Gattuso verzichten, aber beide haben im Verlaufe der Vorrunde nicht unbedingt über Glück und Leid seiner Mannschaft entschieden. Man darf aber trotzdem gespannt sein, wer ihre Rollen und Funktionen einnehmen wird. Ich tippe auf ein rassiges Spiel mit offenem Ausgang, wobei ich den Spaniern eher die Daumen halte aber gefühlsmäßig fast einen Sieg Italiens und zwei Tore von Luca Toni vermute.

Euro 2008 – Und wieder gähn.

Veröffentlicht in Euro 2008 mit Tags , , , am Juni 22, 2008 von sinnbild

Drittes Viertelfinale und wenn man ganz ehrlich ist, war es die dritte Partie der K.O.-Phase, die einen nicht gerade von der Couch gefetzt hat. Sicher hatte die Auseinandersetzung zwischen den Niederlanden und Russland einen gewissen Spannungsbogen und auch ein paar gute, vor allem russische Momente, aber wenn auf beiden Seiten die Vorsicht überwiegt, bleibt das Spiel irgendwann auf halber Strecke stecken. Und nicht einmal die Führung der Russen vermochte es wieder in Gang zu bringen. Ob jetzt die Taktik von Hiddinks dafür ausschlaggebend war oder die Niederländer im Kopf doch mehr nach hinten als nach vorne gedacht haben, kann man so oder so sehen, aber wenn beide Teams ein Spiel abwartend und absichernd anlegen, kann nun mal nichts Gescheites dabei rauskommen. Und es hätte doch sehr überrascht, wenn die Niederländer als Sieger vom Platz gegangen wären, da sie sich in dieser Spielanlange ganz offensichtlich weniger zuhause fühlen als die Russen. Trotzdem haben Van Basten und sein Team kaum einmal das Gefühl vermittelt, dass sie den Lauf der Dinge verändern und durch Positionsverschiebungen oder Einwechslungen mehr Risiko nehmen und das taktische Konzept der Russen stören wollen. Kaum einmal der Versuch, die Flanken zu stärken, um die Schwächen der russischen Abwehr bei hohen Bällen zu reizen. Kaum einmal ein schnelle Überbrücken des Mittelfelds, nur selten ein überraschendes Direktkombinationsspiel und wo sich in der Vorrunde noch Spieler in Orange um den Ball gewetteifert haben, wollten gestern Lederwuchtel und Verantwortung so schnell als möglich wieder beim Nebenmann abgegeben werden. Ganz anders hingegen die Russen: die konnten sich von Beginn weg fast unbehelligt in ihren Spielrhythmus reinkombinieren und einmal dort angelangt, deutete keine Minute dieses Spieles mehr darauf hin, dass sie nicht den Einzug ins Semifinale schaffen würden. Die Niederländer können sogar noch recht froh sein, nicht ärger unter die Räder gekommen zu sein, und dass sie es sogar in die Verlängerung geschafft haben, war im Spiegel ihrer gestrigen Leistung eher unverdient. Den späten Ausgleich der Niederländer erzielte übrigens Ruud Van Nistelrooy, der nach seinem Ellbogencheck gegen Semak eigentlich in der 50. Minute vom Platz gehen hätte müssen. Schiedsrichter Lubos Michel stand zwar direkt daneben, zückte aber nicht einmal die gelbe Karte (im Gegensatz zu einer eher harmlosen Attacke von Van Persie). Kurz vor Schluß erhielt der Russe Kolodin nach einem Foul seine zweite gelbe Karte, aber gelb-rot blieb ihm dann doch erspart, da der Ball vorher schon im Torout gewesen sein soll. Michels Entscheidung erhält Rückendeckung von der UEFA, obwohl im Regelwerk wahrscheinlich keine genauen diesbezüglichen Paragraphen zu finden sein werden – sehr wohl aber ähnliche, die eher auf gelb-rot deuten würden. Protest oder gar Neuasutragung werden aber ausbleiben, und das ist gut so, denn Russland hat hochverdient und dann auch der Höhe entsprechend gewonnen. Wahrscheinlich werden sie jetzt Europameister.

Euro 2008 – Vorschau Viertelfinale NED – RUS

Veröffentlicht in Euro 2008 mit Tags , , , , am Juni 21, 2008 von sinnbild

Und was darf man sich von der heutigen Viertelfinalpartie erwarten? Eine weitere Überraschung oder doch die vierte Gala der Niederländer? Ein berauschendes Spiel oder wieder ein absicherndes Halten der 0? Treten die Niederlande offensiv wie in der Vorrunde auf oder zollen sie der guten Leistung der Russen gegen Schweden und ihren eigenen Defenderschwächen Respekt und wählen die vorsichtige Variante, im Hoffen auf einzelne Geniestreiche von Sneijder, Van der Vaart oder Van Nistelrooy? So haben sie schlußendlich auch die Qualifikation mit einigem Hängen geschafft und sind gegen Frankreich gehörig ins Trudeln geraten. Also keine Spielanlange, die man Van Basten anraten sollte, denn die Niederländer sind immer dann am besten, wenn sie die Dinge in die Hand nehmen und das Spiel so weit als möglich von ihrer eigenen Verteidigungszone fern halten. Russland hingegen zeigte gegen Schweden auf, was diese Mannschaft leisten kann, wenn sie auf einen abwartenden und eher inaktiven Gegner trifft. So schnell konnten die Schweden gar nicht schauen, wie sich die Russen in ihren Strafraum reinkombiniert haben. Und das werden sie auch gegen Holland tun, wenn sie nicht permanent in ihrer eigenen Verteidigungszone beschäftigt werden. Van Basten muß es darauf anlegen, ein Tor mehr als der Gegner schießen zu wollen, auch auf die Gefahr hin, den einen oder anderen Gegentreffer zu kassieren. In einem offenen Schlagabtausch sollten die Niederländer dennoch immer die besseren Karten haben, da sie über mehr offensive Klasseleute verfügen und die russische Verteidigung auch nicht ohne Fehl und Tadel ist. In einer abwartenden Partie würde ich den Russen die besseren Chancen einräumen, da sie schon gegen Schweden eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, wie gut sie mit einer solchen Spielanlage umgehen und wie schnell sie dabei vom Abwarten zum Direktkombinationsspiel umschalten können. Sollte also nicht langweilig werden heute und rein gefühlsmäßig tippe ich eher auf Russland, da ich fürchte, dass Van Basten spätestens nach einer niederländischen Führung auf die Vorsichtsvariante umschalten lassen wird. Aber ich täusche mich diesmal gerne.